Antje Kunstmann ist tot: Münchner Verlegerin mit 77 Jahren gestorben

Als 2021 ihr Kollege Klaus Wagenbuch starb, zitierte Antje Kunstmann in einem Nachruf Kurt Wolff: »Ein Verleger ist nicht anonym, sondern synonym mit seiner Tätigkeit.« Das galt auch für Kunstmann, die seit 1990 den Verlag führte, der ihren Namen trägt. Nun machte der Kunstmann Verlag den Tod seiner Gründerin öffentlich: Antje Kunstmann ist demnach am 16. September 2026 in München gestorben.
In der Buchbranche war Antje Kunstmann als Verlegerin aus Leidenschaft hoch angesehen. Sie wurde als »Verlegerin des Jahres«, »BücherFrau des Jahres« und 2022 mit dem Kurt-Wolff-Preis ausgezeichnet.
Doch im Laufe der Zeit gab es etliche Titel, die tatsächlich auch kommerziell erfolgreich waren. Insbesondere die Bücher des Kolumnisten Axel Hacke schafften es immer wieder auf die SPIEGEL-Bestsellerliste. Aber auch eine Biografie des Fußballtrainers Pep Guardiola und die Autobiografie des Profis Philipp Lahm, Sachbücher über Wachstumskritik und den Umgang mit Krebs oder Romane von Kristof Magnusson, Véronique Olmi und Tim Parks waren Verkaufserfolge. Das »Weltwissen der Siebenjährigen« der Pädagogin Donata Elschenbroich war sogar zwei Jahre hintereinander unter den Sachbuchbestsellern des Jahres. Ein Schwerpunkt des vielseitigen Verlagsprogramms sind illustrierte Bücher, für Kinder und für Erwachsene.
Antje Kunstmann wurde am 15. Mai 1949 in Bad Kissingen geboren. Sie studierte Erziehungswissenschaften und hätte eigentlich Lehrerin werden sollen. Doch während des Studiums jobbte sie in einem Verlag, arbeitete dann vier Jahre als Lektorin und machte sich 1976 selbstständig. Sie gründete den Weismann Verlag/Frauenbuchverlag, der nach dem Ausstieg von Peter Weismann (1984) Anfang der Neunzigerjahre zum Verlag Antje Kunstmann wurde.
Anders als andere kleine und mittlere Verlage habe sich Kunstmann »nie an überdimensionalen Projekten verhoben«, lobte die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« 2019, »sie ließ die Finger von einer eigenen Taschenbuchreihe und sie verzichtete auf selbstverliebte Wiederentdeckungen und Neu-Editionen mit dem Anspruch auf Vollständigkeit«. Ihr Sohn Moritz Kirschner war schon frühzeitig in den Verlag als Lektor eingestiegen; 2023 übergab sie ihm die Amtsgeschäfte beim Verlag Antje Kunstmann.
Der Verlag trauert um seine Gründerin. Antje Kunstmann habe »mit der Großzügigkeit und Güte ihres Herzens, dem Witz und der Wachheit ihres Geistes, ihrer undogmatischen und zutiefst humanistischen politischen Haltung, ihrem literarischen und ästhetischen Geschmack« das kulturelle Leben bereichert, heißt es in der Mitteilung.




