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Türkei: Comedian Göktaş zu 18 Monaten Haft verurteilt

Türkei: Comedian Göktaş zu 18 Monaten Haft verurteilt

Der türkische Comedian Deniz Göktaş ist zu rund 18 Monaten Haft verurteilt worden – unter anderem wegen Präsidentenbeleidigung. Bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens kommt er jedoch auf freien Fuß.

In Istanbul haben Unterstützer die angeordnete Freilassung von Deniz Göktaş gefeiert. Zwar verurteilte das zuständige Gericht den 32-jährigen Comedian zu rund elf Monaten Haft wegen Präsidentenbeleidigung und rund sieben Monaten wegen "Verunglimpfung religiöser Werte". Doch wie bei geringen Strafen üblich, ordnete das Gericht die Haftentlassung an. Erwartet wird, dass Göktas nach 88 Tagen Untersuchungshaft zeitnah auf freien Fuß kommt.

Der Parlamentarier Erkan Bas, Abgeordneter für die Stadt Istanbul, hat den Prozess beobachtet. Vor dem Gerichtsgebäude sagte er türkischen Medien: "Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass unser Land über junge Menschen verfügt, die so klug, so mutig, so ausdrucksstark sind und die Welt so gut zu beurteilen wissen."

In einer mit satirischen Spitzen gespickten Verteidigungsrede hatte der Comedian Göktaş vor Gericht alle Vorwürfe zurückgewiesen. Als Komiker sei es eine Ehre, zu sehen, welche Wirkung seine Worte hätten. Sie habe seinen Glauben an seine Arbeit als Comedian nur verstärkt. In Hinblick auf die Meinungsfreiheit in der Türkei sei das Verfahren aber besorgniserregend.

Zehntausende demonstrierten in Istanbul erneut für die Freilassung des inhaftierten Bürgermeisters İmamoğlu.

Zum Verhängnis geworden waren ihm die Witze seines neuen Stand Up-Programms, das 15 Millionen Views bei YouTube hat. Darin gibt es keine brachialen Witze, Göktaş erzählt vielmehr – von der modernen Türkei, von Religion, Psychotherapie und Fußball. Und immer wieder geht es auch um Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

Er will Präsident Erdoğan herausfordern, doch seit einem Jahr sitzt der türkische Oppositionspolitiker in Haft.

Göktaş ist nicht der einzige Comedian, der verfolgt wird. Die Comedienne Tuba Ulu hatte bei einem Auftritt erklärt, dass Sultan Süleyman vor 500 Jahren mit Hürrem eine Frau geheiratet hat, die zuvor sein "Fuckbuddy" gewesen sei – inhaltlich gar nicht mal falsch, für die Behörden aber offenbar ein Problem.

Für Tuba Ulu sei das nur ein Witz, sagt sie der ARD: "Einen Witz zu machen ist kein Verbrechen, und Gedanken sind kein Verbrechen. Wir verteidigen die Meinungs- und Ausdrucksfreiheit in jeder Hinsicht, insbesondere als Comedians."

Schon länger sind Journalisten und die politische Opposition in der Türkei das Ziel von juristischer Verfolgung. Zuletzt häufen sich die Fälle im Popkulturbereich. Neben Comedians trifft es auch Musik-Acts wie die junge Girlband Manifest und den queeren Sänger Mabel Matiz.

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