Russland stellt deutschen Großhändler Metro unter Zwangsverwaltung

Der russische Machthaber Wladimir Putin hat die Vermögenswerte des deutschen Handelsunternehmens Metro in Russland unter vorübergehende staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Das geht aus einem nun veröffentlichten Präsidialdekret hervor.
Die Entscheidung dürfte auch ein politisches Signal sein. Das Verhältnis zwischen Moskau und Berlin ist derzeit besonders angespannt: Deutschland wirft Russland vor, maßgeblich an der Drohnenattacke am Leipziger Flughafen beteiligt gewesen zu sein.
Der Handelskonzern Metro war anders als zahlreiche andere westliche Unternehmen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Land geblieben. Metro mache dies aus Rücksicht auf Mitarbeiter und Kunden, hatte der Konzern erklärt . Das Unternehmen hat noch 91 Märkte in Russland. Nun soll Metro in Russland von der russischen Managementgesellschaft Torg RU verwaltet werden.
In diesem Monat hatte Putin bereits auch den Lebensmittelhersteller Nestlé und die französische Warenhauskette Auchan unter Zwangsverwaltung gestellt. Zur Begründung hieß es von russischer Seite, feindselige Handlungen »unfreundlicher« Staaten hätten bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt.
Zwei Tage vor der Entscheidung hatten sich der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein deutscher Amtskollege Johann Wadephul zu Gesprächen am Rande der Uno-Generaldebatte in New York getroffen. Der Termin endete jedoch bereits nach 20 Minuten wieder. Wadephul habe den russischen Außenminister aufgefordert, »den gefährlichen Weg der Eskalation gegenüber Deutschland, Europa und der Nato zu verlassen«, hieß es aus Kreisen der deutschen Delegation. Lawrow sagte im Nachgang, er habe dabei keine neuen Erkenntnisse gewonnen.
Die Entscheidung des Kremls bestätigte der Metro-Konzern mit einer Pressemitteilung. Die russische Metro-Tochter teilte mit, der Betrieb laufe normal weiter und alle Verpflichtungen gegenüber Kunden würden erfüllt. Nach eigenen Angaben ist Metro in über 30 Ländern aktiv und hat weltweit mehr als 85.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Umsatz lag demnach im Jahr 2023/2024 bei 31 Milliarden Euro.
Das Ende der Zurückhaltung: Die Bundesregierung hat für den Drohnenangriff von Leipzig ungewöhnlich schnell und deutlich Russland verantwortlich gemacht. Woher rührt die plötzliche Entschlossenheit? Die SPIEGEL-Rekonstruktion lesen Sie hier .




