Riesen-Ruine ist ein Schandfleck: Doch nach dem Brand wird es erst richtig kompliziert

Neubrandenburg • Lesedauer: 5 min.
Um die leerstehenden Hochhäuser in der Neubrandenburger Oststadt ist es über den Sommer ruhig geworden. Noch im Frühjahr waren Feuerwehrleute immer wieder zu Bränden in dem Gebäudekomplex in der Helmut-Just-Straße ausgerückt, mehrmals wurden dort Menschen gerettet. Seit die Stadt das Gelände aufwendig sichern ließ, blieben weitere Feuer und gefährliche Einsätze aus.
Doch gelöst ist das Problem damit noch lange nicht.
Denn die Brandruine steht weiter leer, eine neue Nutzung ist nicht in Sicht. Und die Ruhe hat ihren Preis: Knapp 43.000 Euro gab die Stadt schon für Baustrom, Einzäunung, Videoüberwachung, Kontrollgänge und Nachsicherungen aus. Sämtliche Kosten sind der Eigentümerin in Rechnung gestellt worden, doch nach dem zuletzt bekannten Stand ist das Geld weiterhin offen. Zugleich befindet sich das Grundstück in einem Zwangsversteigerungsverfahren. Ein Termin steht noch nicht fest.
Währenddessen sind die verrußten Fassaden der Elfgeschosser am Rand des Stadtviertels kaum zu übersehen. Weitaus schwerer zu erkennen ist, wer über das Hochhaus tatsächlich entscheidet. Denn zwischen dem Gebäude und den handelnden Personen liegt eine Kette aus Gesellschaften, wechselnden Namen und Geschäftsanschriften.
Eine kurze Antwort findet sich im Grundbuch: Das Areal gehört der Realisation Real Estate GmbH & Co. Verwaltungs-KG mit Sitz in Berlin und Geschäftsanschrift in Wiesbaden.
Die lange Antwort ist etwas komplizierter. Beim Kauf des anderthalb Hektar großen Areals im Jahr 2019 hieß dieselbe Gesellschaft noch Roson Projektgesellschaft mbH & Co. Vertreten wurde sie damals durch eine GmbH, deren Geschäftsführer Honza Jens Klein war. Das Grundstück wurde seitdem nicht erneut verkauft, geändert wurden jedoch Firmenname, Geschäftsanschrift, Beteiligte und Verantwortliche.
Was aber hatte diese Gesellschaft mit dem früheren Wohnheim vor? Der Stadt wurde seit dem Kauf kein konkretes Entwicklungsvorhaben vorgestellt. Eine erneute Wohnheimnutzung wäre wegen des damaligen Bestandsschutzes laut Stadt aber grundsätzlich möglich gewesen.
Später wurde es zunehmend brenzlig in der Helmut-Just-Straße. Bereits nach einem Feuer im April 2025 nahm das Ordnungsamt Kontakt zur Eigentümerseite auf, die Sicherungsmaßnahmen ankündigte. Weil sich die Lage nicht ausreichend besserte, übernahm die Bauaufsicht das Verfahren. Ende August 2025 erklärte ein Bevollmächtigter der Eigentümerin, das Objekt solle verkauft werden. Verbesserungen an Bausubstanz oder Sicherung seien nicht angekündigt worden.
Seit Ende 2025 beschränkt sich der Kontakt nach Darstellung der Stadt auf die förmliche Zustellung von Schreiben und Bescheiden. Doch eine bestätigte Zustellung ist noch kein Gespräch – und erst recht keine Lösung.
Parallel wurde die Gesellschaftsstruktur hinter dem Gebäudekomplex verändert.




