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Deniz Göktas verurteilt – Satire vor Gericht – mit Erdogan ist nicht zu spassen

Deniz Göktas verurteilt – Satire vor Gericht – mit Erdogan ist nicht zu spassen

Der Stand-up-Comedian Deniz Göktas wagte politische Satire – trotz der zunehmend repressiven Herrschaft von Präsident Erdogan. Anfang Juli wurde er verhaftet. Wegen Präsidentenbeleidigung und Verunglimpfung religiöser Werte ist er nun zu anderthalb Jahren Haft verurteilt worden. Bis zum Berufungsprozess lässt ihn das Gericht gegen Kaution frei.

Der 32-jährige Göktas aus Ankara hat Mut und schwarzen Humor: «Totes Meer» heisst seine Show. Ein Wortspiel: Auf Türkisch kann der Titel auch als «Toter Deniz» verstanden werden. Er habe davon geträumt, vor dem Scharfrichter erscheinen zu müssen, erzählt der Komiker in der Show.

Im Juni lud Göktas das Video der Show auf Youtube hoch. Er traf dabei offensichtlich einen Nerv: Ein Viewer schrieb in den Kommentaren, es habe ihm kurz die Illusion einer freien Türkei gegeben, in der Satire erlaubt sei. Ein anderer: Zum ersten Mal in seinen 22 Jahren habe er in der Türkei so unerschrockenen Humor gesehen.

Das Video wurde fast zehn Millionen Mal geklickt – dann schritt die Staatsmacht ein. Anfang Juli wurde der Comedian verhaftet. Das Video wurde in der Türkei gesperrt.

Bis zum Prozess sass Göktas 88 Tage in Untersuchungshaft in einem Hochsicherheitsgefängnis – unter dem Vorwurf der Präsidentenbeleidigung, der Anstiftung zum Hass und der Verherrlichung von Verbrechen.

Es geht in der Show nicht nur um Erdogan. Der Comedian nimmt eine Reihe von Persönlichkeiten aufs Korn, unter ihnen führende Oppositionelle. Daran hatten die Staatsanwälte nichts auszusetzen. Ein Spruch über türkische Mafiosi wurde ihm hingegen als «Verherrlichung von Verbrechen» ausgelegt.

Präsidentenbeleidigung sah die Staatsanwaltschaft gleich mehrfach erfüllt. Die türkische Justiz hat seit Beginn der Ära Erdogan in Verfahren gegen Oppositionelle bereits zehntausendfach zu diesem Vorwurf gegriffen.

Göktas’ Aussagen sind dabei ungewöhnlich explizit. Er nennt Erdogan in seiner Show einen «schüchternen Diktator», der zu sich selbst gefunden habe. Der Komiker ist ausgebildeter Psychologe, er bietet sich dem Staatspräsidenten auch als Therapeut an, und schiebt einen Spruch über Vetternwirtschaft im Präsidentenpalast nach.

Dann erzählt Göktas von Badeferien mit seinen Eltern und wie er sich am Strand aufgeregt habe über schwarze Gestalten, die aus dem Meer auftauchten, mit Ganzkörperanzügen, die nicht einmal die Haare freiliessen. Das Publikum hält den Atem an. Ist der Komiker tatsächlich gerade dabei, sich über strenggläubige Musliminnen in ihren Burkinis lustig zu machen?

Göktas hält die Spannung einen Moment, und löst dann auf: Er meine natürlich die Sporttaucher mit ihren Tauchanzügen. Die Anklage sah den Tatbestand der Anstiftung zum Hass dennoch erfüllt.

Der Comedian wies alle Vorwürfe zurück.

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