Wakura Onsen verarbeitet Erfahrungen aus dem Noto-Erdbeben in neuem Katastrophen-Leitfaden

Der Badeort Wakura Onsen auf der Noto-Halbinsel in der japanischen Präfektur Ishikawa zählte bis 2024 zu den beliebtesten Touristenzielen in der Region. Viele Gäste hielten sich dort auf, als das Erdbeben am Neujahrstag die Halbinsel erschütterte. Aus den Erfahrungen während der Katastrophe haben die Gasthäuser des Ortes nun einen neuen Leitfaden für zukünftige Ereignisse entwickelt.
Zum Jahreswechsel 2023-2024 waren die 22 traditionellen Ryokan-Gasthäuser, die vor Ort in einer Vereinigung organisiert sind, praktisch ausgebucht. Rund 1200 Übernachtungsgäste hielten sich in den Unterkünften entlang der Küste auf, als die Erde am 1. Januar zu beben begann.
Wegen der Gefahr eines Tsunami begannen die Unterkünfte darum sofort mit der Evakuierung. Die Gäste, sowie hunderte weitere Besucher von Wakura Onsen, wurden von den Angestellten der Ryokan in höhergelegene Schutzräume geleitet. In einfache Yukata gekleidet, so erinnert sich ein Mitarbeiter der Hotel-Vereinigung, strömten die Gäste die sich verformenden Straßen entlang.
Ryokan-Mitarbeiter platzierten sich an beschädigten Straßen und wiesen die Flüchtenden auf Gefahrenstellen hin. Zuflucht fanden sie schließlich in einem Gemeindezentrum und der Wakura-Grundschule, den von der Stadt festgelegten Evakuierungsorten von Wakura Onsen. Die Kapazität beider Orte liegt offiziell bei 500 Personen – rund 2000 kamen im Zuge des Erdbebens an.
Die Überfüllung machte es schwer, in den Evakuierungszentren für Ordnung zu sorgen, doch insgesamt konnte Wakura Onsen in einer Hinsicht positive Bilanz ziehen: Verletzungen und Todesopfer gab es unter den Gästen und Besuchern der Stadt nicht zu beklagen. Drei Tage nach dem Noto-Erdbeben waren alle wieder in ihren Herkunfsorten angekommen. Unter den Gastbetrieben von Wakura Onsen spricht man von einem „Wunder“ – und will sich bei einer möglichen nächsten Katastrophe nicht auf das Glück verlassen.
Während der Wiederaufbau des Tourismus Stück für Stück vorangeht – Ende 2025 konnten noch weniger als die Hälfte der Ryokan im Ort schon wieder Gäste empfangen – sammelte ein Ausschuss Erfahrungen der Betriebe während des Erdbebens. Aus den Informationen entstand schließlich ein neuer einheitlicher Leitfaden, mit dem die Gasthäuser ihr Vorgehen zukünftig besser koordinieren wollen.
Zum Ausschuss gehörten neben Ryokan-Betreibern aus Wakura Onsen auch Angestellte der Stadt selbst, die die Hauptverantwortung für den Katastrophenschutz trägt. Gemeinsam wurden die Geschehnisse am Neujahrstag 2024 ausgewertet und Interviews mit Angestellten geführt, die die Evakuierung von Gästen durchgeführt hatten. Auch Feuerwehr, Anwohner und andere Beteiligte kamen zu Wort.
Dabei kam unter anderem ans Licht, dass das Verhalten der Betroffenen stark davon beeinflusst war, ob sie ein Handbuch zur Reaktion auf Naturkatastrophen zur Verfügung hatten.




